Auf meiner achten Reise bin ich weit weniger rumgefahren als zuvor, weil ich fuer die drei Monate Aufenthalt ein Zimmer angemietet habe.
Kategorie: Fotobericht Ghana
Einkaufen und Märkte
Sehr viele Menschen arbeiten im Bereich Handel und Verkauf von Waren, meist als selbstständige Kleinhändler auf Märkten, oder versuchen am Straßenrand ihre Waren zu verkaufen. Rund ein Drittel sind Kleinbauern oder Fischer. Ziemlich wenige sind in Behörden beschäftigt (diese Jobs sind begehrt) und auch im Bereich Industrie/Häfen/Flughäfen dürften aktuell noch recht wenige Menschen beschäftigt sein. Es fehlen Arbeitsplätze, so der Tenor in vielen Gesprächen, die ich führte.
Also werden überwiegend landwirtschaftliche Produkte wie Yam, Cassava (Maniok), Gemüse, Zwiebeln, Paprika, Kokosnüsse, Erd- und andere Nüsse und Obst wie Plantain (Kochbananen) / Bananen, Ananas, Orangen, selbstgebackene Kekse, Toastbrot (in englischer Qualität), Wasser/Getränke/Eis/Wassermelonen und ähnliches auf Märkte und Wochenmärkte, an TroTro-Stations und anderen Plätzen verkauft.

Jede Stadt und jedes größere Dorf hat einen Wochenmarkt. Im Norden (Upper West und Upper East Region) ist das nicht alle sieben, sondern alle sechs Tage. Warum das so ist, konnte mir keiner erklären. Möglicherweise ist das ein Rhythmus ist, der älter ist als vermutlich mit der Kolonialzeit eingeführte Kalenderwoche mit sieben Tage pro Woche.



Frauen wie Männer laufen auch die Straße entlang und klappern die Nachbarschaft ab, um etwas zu verkaufen. Gekochte Eier mit scharfer Pepper-Soße und frittierte Getreidebällchen, geräucherter Fisch oder Calamares-Ringe (teuer!) gibt es oft an TroTro-Stations. Oder es wird Wasser in Beuteln (Pure-Water 0,50 Ghc) oder Flaschen (5 bis 8 Ghc) verkauft, wie hier auf dem Zwiebelmarkt in Dominase.

Auf manchen Märkten wird nur mit einer Frucht oder Ware gehandelt, wie Zwiebeln in Dominase, Kokosnüsse im Süden von Kumasi oder Kenkey in Yamoransa, Ananas- und Orangenfrüchte bei Kisi.


Aber auch Kleidung/Schuhe, Haushaltswaren wie Metall- und Plastikschüsseln, Luftmatratzen, Klopapier, Zahnpasta und technische Kleingeräte wie Handys, Handyhüllen, Kopfhörer, Ladegeräte und Möbel wie Sofas, Stühle, Holzsärge, Matratzen, Holzspielzeug, Vorhängeschlösser und alles, was der Mensch sonst noch so braucht, wird am Straßenrand, in kleinen Läden verkauf.

In ländlichen Gegenden ist der Wochenmarkt immer unter Strohdächern.
Auto- und Fahrrad-Reparaturläden (insbesondere für Reifen) und Tankstellen, Benzinverkauf in Flaschen, Blöcke, Holzlatten, Wellblech, Wassertanks, kleine Elektroinstallationsläden für den Häuserbau, Feuerholz etc. gibt es überall.
Verkauft wird auch an Ampeln zwischen den fahrenden Autos oder LKW’s, z.B. Scheibenwischer oder Sonnenbrillen. Eher selten, aber manchmal auch von (älteren) Kindern (die logischerweise nicht gleichzeitig zur Schule gehen können, siehe „Schulen in Ghana“).

Von den Verkaufszahlen nach eigener Schätzung eher wenig wird in Supermärkten verkauft, wie im Melcom (Supermarkt-Kette, gibt es in den größeren Städten) oder in den großen Malls in und um Accra und Kumasi.


Doch das Leben in Ghana findet weiterhin überwiegend auf oder neben der Straße statt.
Festivals
Festivals gibt es überall in Ghana. Im Süden werden die Könige und auch die Queenmother’s durch die Straßen getragen (z.B. in Elmina und in Asebu, nur habe ich das selbst noch nie gesehen). In Cape Coast gibt jedes Jahr den Orange Friday, eine Art Straßenkarneval.
In der Volta-Region im Osten von Ghana war ich im November 2025 in Akatsi. Dort gab es ein Festprogramm, dass die Kriege der Ewe-Vorfahren (Ewe ist ein Volksstamm) mit Blut und Asche nachspielt (auf dem Festplatz). Im Abendprogramm gab es die „Mama Avenor 2025“-Miss-Wahl auf einer großen Bühne, mit viel Getanze und bei guter Stimmung.



Die Zuschauer sitzen unter Sonnenschirmen, nach Familien und Stammeshalter aufgeteilt. Es ist alles gut organisiert.




Gleiches Festival, jedoch am Abend: das Bühnenprogramm mit „Mama Avenor 2025“:



Soweit das Programm in Akatsi, zu dem es hier noch mehr Infos, Fotos & Videos gibt.
Im Sept. 2025 gab es in Ho das „Asogli Teza“-Festival. An einem der Abende war die Choral Music Night:

Die vielen Teilnehmenden werden von Trommelmusik und Chorgesang begleitet



und Willi tanzt auch …
… zur Freude aller.
Eines der größten Volksfeste ist der „Orange Friday“, bei dem jedes Jahr mehr Leute teilnehmen. Es findet jedes Jahr am ersten Freitag im August statt.


vorläufiges Ende, Fortsetzung folgt.
Schule in Ghana
Während meiner sechsten Reise hatte es sich ergeben, dass ich neben einer Schule übernachten konnte. Ich hatte dann Gespräche mit dem Betreiber (der privat geführten) Schule und dem Schulleiter, so dass ich die Erlaubnis bekam, ein paar Aufnahmen während des Unterrichts durchzuführen.




Die Schule platzt aus allen Nähten, so dass (Stand Feb. 2025) im Klassenraum 5 der Mittelgang mit querstehenden Schreibtischen voll gestellt werden muss (es gab noch weitere Klassenzimmer).

Der Unterricht findet auch vor der Schule und im Innenhof statt.
Die Schule hat einen Neubau errichtet …

… und 10 Monate später sind bereits alle Klassen umgezogen
Nicht allzu weit nördlich dieser Schule gibt es eine weitere Schule, die sich „Farm of Hope“ nennt und die mit deutscher Förderung dort auch eine Trinkwasseranlage betreibt. Dort sind die Klassenräume viel größer, und das quartalsweise im Voraus zu zahlende Schulgeld ist aufgrund der Förderung nur halb so hoch.
Diese und eine weitere Schule habe ich besucht Ende 2025: Hier eine Art Besuchsbericht über
- die „Farm of Hope“ und
- die „Baobab-Farm und -School“
Rund 80 % der Kinder gehen in eine Schule. Kreidetafel einer staatlichen Schule.

In Takoradi und in Cape Coast (und wohl auch in anderen Städten) gibt es Universitäten, die gut entwickelte eigene Stadtteile sind und z.B. eigene öffentliche Krankenhäuser, Banken, Postämter, Studentenapartments haben.
Kunst, Skulpturen, Heiligtümer
Wandmalereien, Skulpturen und auch Heiligtümer sind in Ghana oft anzutreffen. Wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, sieht man mit ein bisschen Glück auch die Künstler, die einem gerne etwas dazu erzählen.
Vorlage für Skulpturen können biblischer Natur sein (Adam und Eva), örtliche Bürgermeister oder Tiere. Wandmalereien habe ich häufiger in Restaurants gesehen, aber auch einmal unter einer Autobahnbrücke. Nicht alles konnte bzw. durfte ich fotografieren.


Heiligtümer sind nicht immer zu erkennen. Es können ganze Berge oder Seen sein, die als heilig gelten und bei denen bestimmte Regeln zu beachten sind. Oder Bäume, die bei wichtigen Familienentscheidungen „gefragt“ werden, oder auch Tiere. Beispiele sind die heiligen Affen in Boabeng, für die es sogar einen eigenen Friedhof gibt, und die Krokodile in Kulmasa oder Aketechi, die mit etwas Schnaps und einem geopferten Hühnchen „gerufen“ werden. Auf den Krokodilen sollen die örtlichen Kinder sogar reiten können.


Menschen können eine Verbindung mit einem Stück Land herstellen, dazu braucht man jemand, der eine „Medizin“ mixen kann. Ob das alternativ zum Grundbuch, welches es auch in Ghana gibt (bei der Land Commission), Bestand haben wird, muss sich noch zeigen. Denn auch in Ghana gibt es geschriebene Gesetze. Es gibt eine „Street-Police“. Diese regelt das Marktgeschehen und auch, dass Läden nicht zu weit in die Straße rein ragen dürfen. Und es gibt eine äußerst schnell rechtsprechende Justiz, die ebenfalls im Falle von Grundstücksstreitfragen tätig wird.
Auf jeden Fall gibt es Wunderheiler und Problemlöser, die erstaunlich jung sein können. Vorher dachte ich, dass dieser Personenkreis eine besondere psychologische Erfahrung benötigt und gute Verbindungen zu (anderen) Familienoberhäuptern haben sollte, um eine solche Tätigkeit ausüben zu können.
Medizin ist alles, was hilft. Mit einer solchen „Medizin“ wäscht man sich beispielsweise, oder man verstreut es auf dem Land. Auf meiner Radtour habe ich auch Plakate traditioneller Wunderheiler gesehen, diese konnte ich gut fotografieren. Einen Fluch habe ich nie abbekommen, aber aufpassen sollte man immer (anderen Radfahrern ist so etwas in der Elfenbeinküste passiert, und man muss dann auch tätig werden, um den Fluch wieder abzuwenden). Den Rat und die Mittel von Medizinmännern ist für die meisten Menschen in Afrika günstiger als der Rat und die Medikamente von Ärzten und in Krankenhäusern. In Ghana gibt es eine Krankenversicherung, und bei Fällen wie Malaria gehen die Menschen auch dorthin.



Die nachfolgenden Fotos sind alle während meiner Radtouren aufgenommen, alle südlich der Bergstadt Koforidua


Wandgemälde in Kwaman, mit Erläuterungen des Künstlers















Ergänzung 2025: Fotounterschrift Heiliger Baum, neues Foto Wunderheiler-Schild
Politik+Wahlen 2020
In Ghana ist seit vielen Jahrzehnten ein grundlegend friedliches Land. Das Land zählt (lt. Wikipedia) zu den freisten innerhalb Afrikas. Die Demokratie hat ein Jerry J. Rawlings (NDC), genannt JJ, eingeführt, er war 1992 bis 2000 der Präsident Ghanas. Präsidentschafts- und Parlamentswahlen gibt es alle vier Jahre, seit 2000.
Während meiner Reise 2020 gab es eine solche Wahl, inklusive Wahlkampf, der engagiert und vor allem auf der Straße geführt wurde: Lautsprecherwagen, Promotion-Gruppen und Demonstrationszüge mit tanzenden Leuten, viele Plakate bis in die hintersten Ecken des Landes und die Berichterstattung im ghanaischen Fernsehen – alles lief friedlich, auch nach der Wahl.



In Ghana hat jede Partei ein Symbol, welches mit einem Fingerabdruck gewählt werden kann. Es gibt den Elefanten (NPP), den Sonnenschirm (NDC), den roten Hahn (CPP), einen gezackten, roten Punkt (PPP) und einige weitere Parteien, die gewählt werden konnten.
Die NPP (Elefant/blau) ist salopp gesagt die Business-/Akademiker-Partei. Sie steht für „free-education“, und als Regierungspartei hat sie die kostenlose Schulausbildung eingeführt. Präsident ist Nana Akufo-Addo, der freundliche Mann mit der Brille.


Die NDC (Sonnenschirm/grün) ist die Fischer-/Farmer-Partei. Als Opposition will sie neue Jobs schaffen. Viele junge Leute mit etwas Schulbildung, die nicht mehr in der Landwirtschaft der Eltern arbeiten wollen, und auch der ländliche, dünner besiedelte (und vernachlässigte) Norden unterstützen die NDC. Der NDC-Präsidentschafts-Gegenkandidat ist John Mahama.


Plakate anderer, kleinerer Parteien:





Hier aber wird der einzige unabhängige Präsidentschaftskandidat, Kwame Alfred Asiedu Walker beworben.
Ich habe mich nie für oder gegen eine Partei ausgesprochen, aber in Gesprächen habe ich immer festgestellt, dass Ghana im Vergleich mit seinen Nachbarländern gut dasteht: Viele Bauprojekte (Straßen, neue Eisenbahnlinie Tema-Akosombo, neuer Binnenhafen in Akosombo), Infrastruktur (die Stromversorgung wird ausgebaut), ärztliche Versorgung (viele Krankenhäuser, eine Gesundheitskarte, die extrem günstig ist und regional verwendet werden kann, mehrmals habe ich Krankenwagen gesehen…) und eine sehr sich zurückhaltende Polizei und wenig Militär. Anders als z.B. in der Elfenbeinküste, in der alle paar Kilometer eine Personenkontrolle stattfindet und wo es viele Behörden gibt, wurde das Thema Korruption in Ghana unter John Kufuor (NPP) durch „Verdoppelung der Beamten-Löhne“ angegangen, ebenso wurde das Steuersystem und die Justiz ausgebaut. 2004 hatte Ghana alle Voraussetzungen für einen umfangreichen Schuldenerlass der Weltbank erfüllt. Voraussetzung dafür waren umfangreiche Pläne zur Armutsbekämpfung.


Der Ablauf der Wahl ist wie überall. Auf dem Wahlzettel wird statt eines Kreuzes ein Fingerabdruck gemacht:


Wahltag war am Montag, 7. Dez. 2020. Zwei Tage lang wurden die Stimmen ausgezählt, beide Parteien (NPP und NDC) hielten sich für Gewinner (je nach Fernsehsender). Die Stimmenzuwächse und Abwanderungen wurden, auf Regionen- und Wahlkreisebene genau, stundenlang analysiert. Meine Reise habe ich sicherheitshalber mal unterbrochen, um das Endergebnis abzuwarten. Ich bin dann zwei Tage nach der Wahl weitergefahren und habe bei Verkündung des Ergebnisses die ausgeflippten NPP-Anhänger rumlaufen gesehen. Nana Akufo-Addo (NPP) wurde sehr knapp wieder Präsident (mit 51, 48 % der Stimmen).
Bei der Parlamentswahl gab es folgendes Ergebnis: 137 Sitze NPP, 137 Sitze NDC, 1 Sitz „others“. Keine klare Mehrheit, das Regieren wird schwieriger.

Eine Woche nach der Wahl sind die Anhänger beider Parteien gemeinsam in einem Demonstrationszug durch die Straßen von Tema gezogen. Anders als in den USA, wo ja fast zeitgleich gewählt wurde, gab es in Ghana keine Stürmung des Regierungsgebäudes.
Ergänzung 2022: Da Nana Akufo-Addo (NPP) wg. Begrenzung auf zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte, wurde im Dezember 2024 der Gegenkandidat John Dramani Mahama (NDC) wieder als Präsident gewählt. Mal hat der Kandidat der NPP, mal der Kandidat der NDC die Nase vorne, seit drei Jahrzehnten.
Ein paar Informationen noch zur Politik: Im September 2018 wurde in einem Referendum sechs neue Regionen geschaffen, ein NPP-Wahlversprechen, um vor allem den nördlichen Regionen mehr Einfluss auf die Politik zu ermöglichen. Die Karte von Ghana enthält jetzt 16 statt zuvor 10 Regionen.






Ende Januar 2021 war Staatstrauer in Ghana. Der Mann, der die Demokratie eingeführt hat, Jerry J. Rawling (genannt JJ) wurde feierlich beerdigt. Vor JJ gab es sechs Führer der „United Gold Coast Convention (UGCC)“ die auch „The Big Six“ genannt werden, und deren Köpfe in Übermanngröße im Kreisel vor dem Kotoka International Airport in Accra zu sehen ist. Zur Orientierung: Ghana, die Goldküste, war ja britische Kolonie und wurde 1957 unabhängig.

Nationalparks (Kakum, Mole, Boabeng)
Es gibt nur noch wenige Urwald-Abschnitte in Ghana. Zwei davon sind der Kakum National Park, der 30 km nördlich von Cape Coast liegt, und der Mole National Park im Westen des Landes. Es gibt in Westafrika kein Großwild, folglich ist auch keine Foto-Safari möglich. Aber immerhin kann man in Mole mit etwas Glück Antilopen oder Elefanten sehen.


Sehenswert ist auch die Ortschaft Boabeng-Fiema, die in einem Urwald liegt. Dort leben die heiligen Affen. Es gibt einen eigenen Friedhof, jeder verstorbene Affe bekommt einen eigenen Grabstein.














Ergänzung 2022: Sehenswert sind auch der EcoPark in Bunso, die Wasserfälle in dem kleinen Kyabobo-Nationalpark an der Grenze zu Togo, die Hippos am Black Volta River in Wechiau (an der Westgrenze zu Burkina-Faso) und die heiligen Krokodile in Kulmasa.
Islam und Moscheen
Der Islam ist überwiegend im Norden Ghanas oder auch in der Hauptstadt Accra (Stadtteil Nima, Stadtteil Alajo…) anzutreffen. Moscheen sind viel leichter zu erkennen als Kirchen.







Ergänzung: 6 weitere Fotos nach der Radtour 2020







Ergänzung 2024: An dieser Stelle der Hinweis, dass es in Ghana auch Einwanderer gibt, die meisten aus Westafrikanischen Ländern (Elfenbeinküste, Nigeria, Togo, Liberia). Die Einwanderer aus Liberia z.B. leben auch Jahre nach dem Ende des dortigen Bürgerkrieges noch in Ghana, vor allem in Buduburam (westlich von Kasoa) und in Accra. Die Einwanderer haben ihre Glaubensausrichtung mitgenommen, d.h. vor allem das Christentum, ihre muslimische Religion oder ihre traditionelle afrikanischer Religion.
Gottesdienst, Kirche, Beerdigung
Der Sonntags-Gottesdienst ist für die überwiegende Anzahl der Menschen in Ghana sehr wichtig. An Gott glauben alle, und das wird auch so gepredigt. Auf der Straße, in Tro-Tro-Bussen, überall gibt es Prediger, die aus der Bibel vorlesen. Die Gottesdienste sind sehr lebendig, egal wie viele Teilnehmer es sind.
Es gibt „hunderte von“ Kirchen überall in Ghana (wie es auch „hunderte von“ Krankenhäusern und „hunderte von“ Schulen gibt, folglich sind alle diese Kirchen, Krankenhäuser und Schulen sehr klein, also mit wenigen Mitgliedern, Patienten oder Schülern). Die Kirchen kann man oft von außen nicht erkennen, so lange nicht ein Gottesdienst lautstark gefeiert wird. Es wird viel eigene Musik gemacht, gebetet, gesungen, getanzt, und am Ende gibt es immer etwas zu essen und zu trinken, für alle.




Video Gottesdienst in Agogo


Ergänzung: weitere Fotos nach der Radtour 2020







Beerdigungen werden über viele Tage gefeiert (je nachdem, wie bekannt die verstorbene Person war), und man kommt nicht drum herum, sich mindestens einen halben Tag dazu zu setzten. Es gibt Musik, und immer ein Prediger ist dabei. Die Verwandtschaft ist dabei, es ist ein Familienfest. Alle sitzen stundenlang zusammen, im großen Kreis. Genau genommen in einem großen U, wobei an der Stirnseite immer die wichtigsten Familienmitglieder sitzen.
Ergänzung 2025 (Funeral in Elmina):




Video Beerdigung in Elmina

Und es gab es fast zeitgleich in Elmina eine zweite Beerdigung, die in der Nähe des alten Hafens war.


In dem kleinen Städtchen Moree (eigentlich ist es ein Fischerdorf) gibt es, von außen unscheinbar, eine große Kirche mit lautstarken Gottesdiensten, immer Freitags und Sonntagen.
Video Moulders chapel
Man rechnet auch hier, dass die Anhängerschaft in Zukunft wächst.

Leben in Ghana
Wie lebt es sich in einem Land, in dem viele nicht lesen und schreiben können? Die meisten Leute haben keinen Pass oder Personalausweis, keine Kreditkarte und keine Postadresse für Warenlieferungen. Wie werden Informationen weitergegeben?
Alles geht erstaunlich gut. Jeder hilft dem anderen, so gut er kann. Man ist sich einig, dass alle im gleichen Boot sitzen. Jeder hat viele Freunde, überhaupt sind Freundschaften sehr wichtig. „Das ist meine Schwester, mein Bruder, meine Mutter etc.“ ist meist nicht wörtlich zu nehmen. Viele arbeiten auf dem Feld, viele beim Fischfang oder auf den (Lebensmittel-)Märkten. Jeder will etwas verkaufen, und wenn es nur Erdnüsse oder Melonen sind. Oder Handy-Zubehör. Es gibt keine Stelle im südlichen Ghana und wo Menschen wohnen, wo man mehr als 100 Meter laufen muss, um wirklich alles zu bekommen, was man zum Leben braucht. Und man braucht nicht viel, um Glücklich zu sein. Immer ist jemand um einem herum, der helfen kann.
Allerdings ist auch jeder mit jedem verschuldet, weil Geld immer knapp ist. Auch in Ghana muss man für eine Hütte Miete bezahlen, und (soweit vorhanden) auch für Strom, und immer schön im Voraus. Für Stromzähler gibt es eine Prepaid-Karte. Weil es keine Personalausweise gibt und Stromzähler einen festen Standort haben, ist diese Karte mit der Zählernummer auch gleichzeitig der Nachweis für den Wohnort, also eine Meldebescheinigung für Behörden, Banken oder bei der Polizei. Nach Wahlen gibt es noch ein weiteres, wichtiges Dokument: die Voter-Card, das ist die Wahlbenachrichtigung, die auch ein Lichtbild enthält.
Informationen werden über Lautsprecher weitergegeben, über lautes Rufen (z.B. bei Tro-Tro- oder Taxi-Fahrten) oder über angemalte Hauswände. Werbung gibt es, läuft allerdings ins leere (weil kein Geld da oder man nicht lesen kann). Die quasi nicht vorhandene Werbung und der überschaubare Besitz ist, so meine ich, der Schlüssel zum Glücklich sein.
Vieles wird auch nur mündlich weiter gegeben, „My mother told me …“ habe ich oft gehört, wenn es um Familientraditionen geht. Übrigens: Eine starke Rolle der Frau (Matriarchat) gab es in den größten Teilen von Ghana. Ihr Besitz wurde (nur) an die Töchter vererbt (lt. meinem Reiseführer). Das hat sich im südlichen Ghana nicht oder nur leicht geändert. Frauen streiten lautstark um die Preise des frisch gefangenen Fisches oder schlagen sich, welche Familie für die Beerdigungskosten aufkommen muss. Die Männer sind überwiegend im Hafen und auf den Felder anzutreffen, oder sind Fahrer von Linientaxis, normalen Taxis und Tro-Tro-Bussen. Frauen sind auf dem Markt und sind für die Kinder zuständig, die auf dem Rücken mitgeschleppt werden. Jugendliche helfen überall selbstverständlich mit. Diese Rollenaufteilung gilt jedoch nur in christlichen Gebieten. In muslimischen Gegenden sitzen die Männer den ganzen Tag faul unter Bäumen und gehen fünfmal am Tag mit gewaschenen Füßen zum Beten in die nächste Moschee.
Was einem im Straßenbild sofort auffällt sind die vielen Kinder. Es wird miteinander gespielt, überall. Fußballplätze gibt es überall und werden jeden Abend intensiv genutzt. Es gibt sehr viele kleine Schulen, die Kinder haben selbstgenähte Schuluniformen und fahren oft mit dem Schulbus zur Schule. Es gehen die meisten, aber längst nicht alle zur Schule.
Im Fernsehen Ghanas laufen Sendungen fast nur über ghanaische oder westafrikanische Themen (Nachrichten, Gesundheitsthemen, Anti-Korruptionskampagnen). Als Unterhaltung sind auch Schnultz-Sendungen aus Indien beliebt. Amerikanische oder internationale Filme habe ich nie gesehen. Einen richtigen Kult wird gemacht über wohlgenährte, tanzende Frauen mit „dicken Ärschen“, vor allem in den Pubs. Da tanzt dann jeder mit. Auch Gospelsongs werden gerne gesehen und gehört, aber auch afrikanische Pop-Songs. Wer einen Fernseher hat, der funktioniert, lässt diesen auch laufen. Wer ein Radio hat, das funktioniert, schaltet dieses auch lautstark ein.




Seit 2022 gibt es die „Digital Adress“, das sind Schilder an jedem Gebäude, die neben dem Straßennamen auch einen QR-Code (mit den GPS-Koordinaten) enthält.




Die Welt verändert sich, auch in Ghana.









Kunst und Kultur
Die Afrikaner legen viel Wert auf ihre eigene Kultur, und man sieht vielerorts Selbstgemaltes oder -Geschnitztes



Ergänzung: weitere Fotos zum Thema „Läden“ nach der Radtour 2020





Ergänzung: 1x Foto Elmina Ladenreihe 04/2025 und 1x in 01/2026