Mit dem Solar-Fahrrad habe ich kurz nach seiner Fertigstellung eine Radtour von Deutschland nach Portugal unternommen, insgesamt 3800 km in 45 Tagen. Die Polarsteps-Reiseroute neben weiteren Fotos kann aufgerufen werden unter
Willi’s Radreise nach Portugal statt nach Westafrika.
Bis Straßburg war war mein Sohn noch dabei, ab dort ging es mit dem „Sun Trip Prologue“ weiter.

Von Straßburg über Elsass und Jura nach Lyon in Frankreich bin ich beim SUN TRIP PROLOGUE mitgefahren. Der Sun Trip ist eine jährlich stattfindende Tour de France, jedoch für Solar-Fahrräder aller Art, und geht üblicherweise von Lyon in Frankreich nach Canton im Südwesten von China, das sind sportliche 12.000 km, für die man 100 Tag Zeit hat. Dieses Jahr wg. Corona nur quer durch Frankreich. Ich will aber nicht nach China, sondern nach Afrika. Da kam der SUN TRIP PROLOGUE gerade recht, denn dieser lag direkt auf der Strecke.

Auch der Prologue hatte Tagesetappen meist über 100 kam und das in gebirgigem Gelände, jedoch war eine Netz-Nachladung erlaubt und auch Teilnehmer mit nur-Elektro-Fahrrädern waren willkommen. Die meisten Teilnehmer waren Franzosen, die bereits mehrmals mitgefahren sind.

In Lyon starteten dann die Profis, die rein mit Sonnenenergie bis zu 400 km pro Tag fahren. Den offiziellen Start habe ich in eine kurzen Video festgehalten (siehe Polarsteps, am 10. Tag).

Ab Lyon ging es dann zu zweit weiter. Ein Teilnehmer des SunTrip-Prologues hatte das gleiche Ziel, er fuhr mit seinem E-Trike. In Istres bei Marseille gab es einen Spezialisten für Solar-Fahrräder, bei dem ich das Solarmodul gegen ein sehr gutes Solarmodul austauschen konnte. Das neue Modul ist vier Zellen kürzer, aber dennoch deutlich leistungsstärker, da die dunkelblauen Zellen die Fläche besser ausnutzen. Gemessen habe ich 124 Watt (3,2 A / 38,7 V) beim neuen Solarpanel und 64 Watt (1,6 A / 40,0 V) beim alten Panel bei direkter Abendsonne.








Entlang der Rhone ging es mit dem Via-Rhone-Radweg (EuroVelo 17) bis ans Mittelmeer. Ab dort bin ich alleine weitergefahren, die Pyrenäen hoch und bis zur spanischen Grenze, die ich bei km 3.808 erreichte. In Frankreich war ich genau 1.500 km bzw. 19 Tage unterwegs.

Die Radwege in Frankreich waren gut ausgeschildert, in Spanien nicht mehr. Zwar gibt es auch in Spanien gute Radwege, aber diese tauchen plötzlich auf, ohne Wegweiser. Gut, das meine Navi App Komoot alle Wege kannte. In Spanien gibt überall (außer ab Malaga und bei Marbella) sehr gut ausgebaute und kaum befahrene Landstraßen entlang der Küste.


Es ging weiter entlang der spanischen Küste Costa Brava nach Barcelona. Durch Barcelona kann man übrigens sehr gut auf Radwegen diagonal durchfahren. Praktischerweise heißt diese Straße auch „Avinguda Diagonal“.





Die Infrastruktur generell ist in Spanien sehr gut ausgebaut: Überall Bars und Cafés, viele Grünstreifen und Parks (mit Bänken und Mülleimern, Spielplätzen (ohne Kinder), in Süd-Spanien Brunnen. Touristen-Informationen und viele Restaurants haben WLAN (in Spanien wird das „wifi“, mit „i“ ausgesprochen). Nicht nur die Straßen und Radwege sind in Spanien besser und großzügiger ausgebaut als z.B. in Deutschland oder Frankreich. Es gibt viele Kreise, Nationalparks, aber auch viel gesperrtes Privatland und viele kläffende Hunde. Und es gibt gigantisch große landwirtschaftliche Felder, und ist schon besorgniserregend, wie viel Natur in Spanien zerstört wurde. Wälder gibt es keine mehr, Brachlandschaften nur wenige und nur in Naturschutzgebieten.



Dank der vielen Keisel fahren die spanischen Autofahrer recht langsam und beachten auch die Vorfahrt beim Einfahren in einen Kreisel und bei den vielen Zebrastreifen. Beim Rausfahren aus einem Kreisel oder auf Schnellstraßen ist das leider nicht mehr so. Einmal habe ich sogar Elefanten in einem spanischen Kreisel gesehen, was mich an den Mole Nationalpark in Ghana erinnerte.




In ganz Spanien haben alle, egal wo sie unterwegs waren, eine Corona-Maske getragen. Also auch z.B. auf abgelegenen Feldwegen. Am Strand und auf Campingplätzen dagegen wurde darauf verzichtet, ganz egal wie dicht die man zusammen war. Gleichzeitig wurde das ganze spanische Festland zum Risikogebiet erklärt.


Mein Handy, und damit meine Navi-App, konnte auf den letzten 500 km nicht mehr aus der Solar-Batterie geladen werden, da der DC/DC-Wandler für die 5-Volt-USB-Stromversorgung ausfiel. Folglich musste ich auf Campingplätzen und in Bars mein Handy aufladen. Überhaupt hat Komoot eine hohen Stromverbraucht und lässt das Handy heiß werden, welches sich dann abschaltet. In diesen Fällen bin ich einfach so, nach Sonnenstand, weiter gefahren.



Nach Portugal mit einer Autofähre. Ein Fluss, der Rio Guadiana, ist die natürliche Grenze. Unweit gibt es auch eine Autobahnbrücke über den Fluss. Ab hier bin ich langsamer unterwegs, bis ich in Faro an der südlichen Atlantikküste von Portugal ankam.




Hier, in der Nähe von Faro, habe ich mein Solar-Fahrrad unterstellen können. Jetzt warte ich, bis die Grenzen wieder durchgängig offen sind und ich die Reise nach Ghana fortsetzen kann.


Nach der 45-tägigen, mitunter anstrengenden Fahrradtour und drei Erholungstagen in Albufeira und Faro bin ich Ende August 2020 mit Flixbus (über Lissabon, Madrid und Paris) zurück zu Hause. Mit vielen neuen Eindrücken und vier der gelben Fahrradtaschen kam ich zu Hause an. Hier vor meinem alten Wohnwagen.